Nepal 2010

Ende Oktober, International Airport München.

In einer langen Schlange am Check-In Schalter der  Qatar Airways steht ein – für die restlichen Reisenden – ein ungewöhnliches Gepäckstück: Ein Kajak. Und Flo, der bibbert, dass seine komplette Kajakausrüstung mitgenommen wird. Erlaubt sind 20kg plus 10kg Sportgepäck, da liegt die Paddelausrüstung locker drüber. Die Dame am Check-In Schalter ist skeptisch: “Das Kajak wiegt nur 10kg? Sieht aber schwerer aus!”. Aber mit einem “Ist mir ja eigentlich egal” klebt sie den Gepäckaufkleber auf das Boot und es kann losgehen.

Nach 24h Reisezeit, mit einem 9-stündigen Aufenthalt in Doha erreicht Flo endlich Kathmandu. Dann durch den Zoll und gespanntes Warten: ist die komplette Ausrüstung angekommen? Ja, alles ist in Nepal. Und der Abholservice von “Whitewater Nepal“, der Organisation, der die Expedition vor Ort unterstützt, funktioniert auch. Was dann jedoch kommt, schockiert Nepal-Neuling Flo – die Fahrt mit dem Auto zum Hotel. Linksverkehr, und die Regelung “wer am lautesten hupt hat Vorfahrt”. Überall liegt Müll, die Stadt stinkt und ist voll mit Dunst. Unvorstellbar für uns Europäer. Umso glücklicher ist Flo, als er nach dieser erschreckenden Autofahrt das Hotel erreicht, wo er auf Flo F. trifft, der wenige Stunden zuvor angekommen ist.

Am nächsten Tag, nach dem ausschlafen, haben die beiden Jungs Zeit sich die Stadt anzuschauen und die ersten Souvenirs zu kaufen. Bei dem Stadtrundgang werden die beiden mit aufdringlichen Menschen konfrontiert – alle paar Meter werden Sie angesprochen und man will ihnen was verkaufen. Wer noch Outdoor-Equipment braucht, hat in der nepalesichen Hauptstadt zahlreiche Möglichkeiten, Markenware sehr günstig zu erstehen. Doch Achtung, nicht überall, wo “Mammut” draufsteht, ist auch “Mammut” drin ;-)

Am Abend kommen dann Peter Tümmers, Expeditionsarzt Dr. Peter Luppa sowie die restlichen Paddler, Jörg, Julian und Claus, im Hotel an. Ab jetzt wird es ernst für das Vorhaben.

Am nächsten Morgen heißt es früh aufstehen und zum nationalen Flughafen Kathmandu. Von dort geht es mit einer Propellermaschine nach Pokhara und mit dem Bus weiter nach Nayapul.
Außer Flo hat niemand sein eigenes Kajak mitgebracht, alle anderen bekommen dort ihre Leihausrüstung. Nun heißt es Kajaks fitten und Ausrüstung überprüfen. Alles, was mit zum Annapurna Base Camp soll, muss in einem Rucksack, den jeder selber trägt, oder im Kajak verstaut werden. Als jeder seine Ausrüstung im Kajak hat, schaffen die Jungs es selber kaum noch, diese zu heben. Um die Träger zu entlasten, hat jeder ein spezielles Schultertragesystem für sein Kajak – womit die Schlepperei wenigstens etwas angenehmer wird. Diesbezüglich ein großes Dankeschön an den AKC und blue&white:-)

Dann lernen die Jungs ihre Träger kennen. Die kleinen Nepali tun den Jungs leid – mindestens einen Kopf kleiner, als “Bergschuhe” nur ausgelatschte Sandalen. Und das erste, was jeder Träger macht – das eigene Tragesystem, was das Gewicht an der Stirn statt auf den Schultern hält, ran und das mitgebrachte Tragesystem nicht benutzt.

Dann bewegt sich der Trott los – sieben Paddler, sieben Träger und ein Bergführer.

Nach knapp 6 Stunden ist das erste Ziel erreicht, die Bee Hive Lodge/”Old Bridge”. Am nächsten Morgen geht es dann endlich zum ersten Mal aufs Wasser – einpaddeln von “Old Bridge” bis “Syauli Bazar”, 3 Stunden WW4 bei perfektem Wetter und gutem Wasserstand. Am Ausstieg angekommen, geht es wieder zu Fuß zurück zur Lodge, dank den Trägern jedoch ohne viel Gepäck.

Am nächsten Tag geht es eine Stunde zu Fuß flussauf, bis “New Bridge”, und von dort wieder auf dem Fluss zurück nach “Old Bridge”. Dort gibt es traumhaftes WW4-5: “wie Wellerbrücke, nur viel geiler”, schwärmt Flo.

Die folgenden zwei Tage werden wohl die anstrengendsten des ganzen Trips: 1000 Höhenmeter bis zum nächsten Tagesziel. Doch diese 1000 Meter Höhenunterschied sollen schwer zu bewältigen sein: Zwischendurch geht es immer wieder sehr weit runter, so dass der Weg lang und anstrengend wird, da 2000hm nach oben und 1000hm nach unten innsgesammt bewältigt werden müssen. Nach 8 Stunden wandern kommt die Gruppe auf 2130m in Bamboo an.
Der nächste Tag wird ähnlich anstrengend, allerdings verläuft die Steigung etwas gleichmäßiger als am Vortag. Tagesziel ist das Machhapuchhre Base Camp auf 3700m. Am folgenden Tag dann die letzte Wanderetappe – 300 Höhenmeter weiter zum Annapurna Base Camp. Damit ist das erste Ziel erreicht: Die Gruppe hat samt Ausrüstung das Annapurna Base Camp erreicht – und der Wasserstand am Modi Khola schien auch zu passen. Zeit also, sich zu erholen und Gruppenfotos vor dem Gletscher des riesigen Annapurnas zu schießen.

Die Euphorie ist jedoch schnell dahin. Der Abschnitt zwischen ABC und MBC ist laut Informationen, die die Gruppe vorher bekommen hat, bereits befahren worden. Doch statt einem Fluss finden sie dort nur eine riesige Gletschermoräne, die sich bis kurz vor das MBC erstreckt. Unter dem Gletschergeröll fließt zwar der Fluss, aber gepaddelt ist dort in den letzten Jahren mit Sicherheit niemand.

Also ging es zurück zum MBC. 100 Höhenmeter oberhalb musste die gesamte Ausrüstung 300 Höhenmeter über ein steiles Geröllfeld abgeseilt werden, um zum Fluss zu gelangen. Plötzlich löst sich ein Felsbrocken – doch die Gruppe kommt mit dem Schrecken davon, er verfehlt sie knapp. Doch das hätte auch anders enden können….

Endlich am Fluss angekommen, wartet die erste Erstbfahrung! Bis zur Mündung in den Modi Khola ist der namenlose Abfluss des Annapurna South Glaciers steil und hat nur wenig Wasser.

Der junge Gletscherbach stellt sich auf den ersten 500 m als steile Rinne heraus. Ab dem Zusammenfluss mit demModi Khola, dem Abluss vom Annapurna West Gletscher verdreifacht sich die Wassermenge und die Schwierigkeiten nehmen ab (von WW5- auf WW4). Die Abgeschiedenheit im hochalpinen Gelände, duünne Höhenluft und das grobe Bruchgestein prägen die Herausforderung der Befahrung. Nach ca. 2 km kündigt ein Steilabbruch aus dem “Annapurna Sanctuary” Hochtal das Ende der ersten Etappe an, den die Erstbefahrer “Moränen Run” nennen.

Am Folgetag setzen die Jungs am Ende der Druchbruchstreckewieder ein. Ab dem Klammausgang windet sich der Fluss durch ein weites und traumhaftes Hochplateau. Die danach benannte “Plateau Section” wartet mit genialen Stellen im WW 5- Bereich auf.
Im weiteren Verlauf nehmen die Schwierigkeiten auf WW 3 ab. Ein erneuter Anstieg der Schwierigkeiten kündigt das Fahrtende an und eine lange Sturzstrecke ab “Deurali” (3200 m) beginnt, die erst auf 1500 Meter enden wird.

Ein dritter Neuabschnitt ab Sinuwa scheitert an der Uneinsehbarkeit  eines Klammabschnittes. Später stellt sich heraus dass das Gefälle die Fahrt unberechenbar gemacht hätte.

Bei der Expedition Ice2Jungle geht es ab jetzt in bekanntem Gelände weiter. Die Fahrt wird ab Hot Springs nach einem Bad in den heissen Quellen im Dschungel fortgeführt. Ab New Bridge weitet sich das Tal und nach zwei Tagen exzellentem Wildwasser erreicht die Gruppe nach insgesamt elf Tagen den Staudamm beim Ausgangspunkt Nayapul.

Einem Fluss zu folgen von seiner Quelle bis zur Muendung, durch drei Klimazonen hindurch, im Kajak und zu Fuss, findet seinen Abschluss.

ein großes Dankeschön an alle Sponsoren: Prijon, Kober, AKC, blue&white,Vaude

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